Gießener Linke fordert Wohnraumvermittlungsstelle im Landkreis

Bei der Registrierung von Menschen, die eine Sozialwohnung benötigen und bei der Vergabe solcher Wohnungen gibt es in den Kreiskommunen weder einen einheitlichen Erfassungskatalog noch transparente Vergaberichtlinien. Das sei aber erforderlich, um flächendeckend eine sozial- und bedarfsorientierte Wohnraumversorgung zu ermöglichen. „Oft“, so Reinhard Hamel, Fraktionsvorsitzender der ...

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Prekäre Lebensverhältnisse – Das Beispiel der Alleinerziehenden

Meinungsumfragen spiegeln Erwartungen und Meinungen; und zeigen als Zeitreihe betrachtet Verschiebungen von gesellschaftlichen Bewertungen und Positionen bei größeren Wählergruppen. Die konkreten Werte beim Deutschlandtrend[1] belegen seit den Bundestagswahlen eine Umgruppierung im bürgerlichen Lager. Aktuell liegen CDU/CSU bei 29%, die AfD bei 17% und die FDP bei ...

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Grüne Städte senken das Überflutungsrisiko

Prof. Dr. Helmut Grüning ist Experte für Stadthydrologie und forscht an der FH Münster Extreme Sommerhitze – Gewitter – Starkregen – Überflutung: ein Kreislauf in den Sommermonaten, der nicht nur im Jahr 2014 in Münster verherende Auswirkungen hatte. Wenn sich die Niederschläge auf Brachflächen, Wiesen oder ...

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Formen prekärer Beschäftigung – das Beispiel Leiharbeit

Ein moderner Mythos kreist um die These vom Beschäftigungswunder Deutschland. In Deutschland lasse sich gut und gerne leben, hier sei der Grundkonflikt von Lohnarbeit und Kapital endgültig aufgehoben. Dieser Eindruck stützt sich auf Arbeitsmarktstatistiken aus Nürnberg. In der Tat: Die Zahl der Beschäftigten ist auf einem ...

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Befristete Beschäftigung auf Rekordstand

Ein sozialdemokratisches Kernanliegen bei der erneuten Bildung einer neuen »großen« Koalition aus CDU/CSU und SPD war die Reform der Rahmenbedingungen für befristete Beschäftigung. Digitalisierung, Globalisierung, weltweiter Wettbewerb: Die Arbeitswelt wird immer ungerechter. Ein Thema in diesem Dickicht einer ungerechten Arbeitswelt ist die Befristung ohne sachlichen Grund. ...

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Verdunkelt, verschleiert, geschreddert

Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kilic, Michèle Kiesewetter, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Halit Yozgat. Namen, die für traumatisierte Familienangehörige, erschütterte Freunde und Kollegen stehen. Alle zehn Mitbürger*innen – neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft und eine deutsche Polizistin – wurden ...

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Die große AfD-Geldverschwörung

Werden doch noch die finanzstarken dunklen Seilschaften beleuchtet, die der AfD mit Millionenbeträgen zum Einzug in den Bundestag verhalfen? Undank ist der Welten Lohn! Der honorige Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten[1] hat die AfD aufopferungsvoll mit Millionenbeträgen in den Wahlkämpfen der vergangenen ...

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Handelskrieg zwischen USA und China wird eskalieren: Economic cold war

Der US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini bezeichnet den US-Präsidenten Donald Trump als Pluto-Populisten: »Seine Steuersenkungen entlasten die Reichen extrem. Seine Deregulierungspolitik schadet den Arbeitern.« (in: »Finanz und Wirtschaft« vom 3.7.2018) Und er fährt fort: »Wenn er Obamacare tatsächlich abschaffen könnte, würde das den Armen schaden. Um die Unterstützung ...

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Menschenrettung ist kein Verbrechen: Tausende protestieren gegen die Menschen verachtende Abschottungspolitik der Bundesregierung und der EU

Attac fordert: Fluchtursachen bekämpfen, sichere Fluchtwege schaffen In den vergangenen zwei Wochen haben unter dem Motto "Seebrücke: Schafft sichere Häfen" in vielen Städten über 20.000 Menschen gegen die Abschottungspolitik der EU protestiert und für die kommenden Tage sind weitere Proteste angekündigt. "Viele tausende Menschen wollen es ...

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Mexiko wählt links

Politischer Umbruch in Mexiko: Der von seinen Anhänger*innen »AMLO« genannte Kandidat der Mitte-links »Bewegung zur Erneuerung Mexikos« (Morena),[1] Andrés Manuel López Obrador,[2] konnte bei den Präsidentschaftswahlen 53,68% der Stimmen für sich verbuchen. Damit wird er am 1. Dezember 2018 als erster linksgerichteter Präsident seit Jahrzehnten in die ...

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Bundestag verschäft Asylrecht: Geistige Brandstifter und reale Feuerteufel

flucht

Es brennt in Deutschland – im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinne. Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte weiter nehmen zu. In Dresden-Friedrichstadt wurden am 24. Juli drei DemonstrantInnen, die gegen einen NPD-Aufmarsch vor einer DRK-Notunterkunft für Flüchtlinge aus Syrien protestierten, von Rechtsradikalen angegriffen und verletzt.

Der Fremdenhass eskaliert – Hetze und Gewalt nehmen dramatische Ausmaße an. Lübeck, Vorra, Freital, Meißen, Reichertshofen, Mengerskirchen – diese Städte und Gemeinden haben eines gemeinsam: Bevor Menschen dort Schutz vor Krieg und Verfolgung finden konnten, wurden ihre Unterkünfte mit Naziparolen beschmiert und angezündet.

Zuletzt tobte in Freital bei Dresden wochenlang eine Auseinandersetzung um eine Erstaufnahmeeinrichtung. Rechtsradikale »Wutbürger«, unter ihnen Pegida-Chef Lutz Bachmann, erzeugten eine progromartige Stimmung. 30 Kilometer entfernt brannte es in der Domstadt Meißen in einer Unterkunft, in die 35 AsylberwerberInnen einziehen sollten. Dies geschah wenige Stunden, nachdem sich der rechte Mob, die »Initiative Heimatschutz«, zusammengerottet hatte. In Böhlen, südlich von Leipzig, schossen Unbekannte auf ein Flüchtlingsheim.

Die Bundesregierung registrierte im Jahr 2013 offiziell 55 Angriffe auf Flüchtlingsheime durch rechtsmotivierte Täter, in 2014 waren es schon 198 – ein Anstieg um nahezu das Vierfache. Im ersten Halbjahr 2015 wurden nach Angaben des Bundesinnenministeriums bereits 202 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte verübt. Organisationen wie »Pro Asyl« vermelden eine noch höhere Zahl von Angriffen: Demnach kam es bereits 2014 neben 36 Brandstiftungen zu 211 Übergriffen, darunter Straftaten wie Sprengstoffanschläge, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschädigung. Die Amadeu Antonio Stiftung, die sich dem Kampf gegen rechte Gewalt verschrieben hat, listet für 2014 darüber hinaus 292 flüchtlingsfeindliche Kundgebungen auf.[1]

Die Zunahme der Anschläge fällt mit dem Niedergang der NPD zusammen. In ihrer Hochburg Sachsen flog sie im letzten Jahr aus dem Landtag. Damit scheiterte ihre Strategie, über die parlamentarische Arbeit zu wachsen. Jetzt nutzt die NPD die steigende Zahl von Flüchtlingen, um neue Anhänger zu mobilisieren. So initiiert sie beispielsweise Bürgerinitiativen besorgter Nachbarn wie »Nein zum Heim in Köpenick« oder »Freital wehrt sich«.

Als indirekte Aufforderung, Aktionen gegen die »Überfremdung« selbst in die Hand zunehmen, diente bis vor kurzem[2] eine von Neonazis auf der Internetseite von Google eingepflegte Deutschlandkarte mit dem Titel »Kein Asylantenheim in meiner Nähe«. Darauf waren Hunderte Standorte von Flüchtlingsunterkünften mit exakter Adresse und Zusatzinformationen zum Gebäude wie Umbaukosten und Anzahl der Bewohner verzeichnet.

Während die rechten Hetzer ungehindert agieren, verstärken Teile der Berliner Großen Koalition mit ihrer Politik der Abschottung die Ressentiments gegenüber Flüchtlingen. Sie schüren damit in jenen Teilen der Bevölkerung, die vom Anwachsen der »Flüchtlingsströme« beunruhigt sind, eine ablehnende, ja feindselige Haltung. Gleichzeitig wiegeln Biedermänner und geistige Brandstifter mit ihrer rechtspopulistischen Rhethorik die Menschen auf und liefern den realen Feuerteufeln die Brandbeschleuniger für ihre schändlichen Taten.

Wenn der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer heute erneut, wie das die deutsche Politik schon vor 25 Jahren getan hat, von »massenhaftem Asylmissbrauch« schwadroniert, muss er sich nicht wundern, wenn heute wie damals, Flüchtlingsunterkünfte brennen. Heribert Prantl kommentiert in der Süddeutschen Zeitung: »Man hatte gehofft, die Politik habe gelernt, dass es flüchtlingsfeindliche Hetze wie damals nicht mehr geben darf; aber die CSU ist offenbar unbelehrbar.« (20.7.2015)

Nicht nur die CSU. Die rechtskonservativen Kräfte in der Bundesrepublik benutzen seit Anfang der 1990er Jahre, als sich die rassistischen Gewalttaten in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen zu regelrechten Pogromen gesteigert hatten, die gleiche Strategie. Sie bedienen mit ihrem Gerede von »Asylmissbrauch« und drohender »Überfremdung« die Vorurteile jener Bürger, die Flüchtlinge als Eindringlinge und Schmarotzer betrachten. Zugleich schaffen sie in diesem aufgeheizten Klima gesetzliche Fakten, indem sie das Asylrecht verschärfen.

Anfang Juli verabschiedete der Bundestag das »Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung«. Nach Auffassung von Experten ist dieses Gesetz die einschneidendste Verschärfung seit der Asylrechtsänderung im Jahr 1993.

Das Positive vorweg: Jungen Flüchtlingen, die bisher alle sechs Monate zur Ausländerbehörde gehen müssen, um ihre Duldung verlängern zu lassen, kann, wenn sie eine Ausbildung machen, die Duldung für die Dauer ihrer Lehre verlängert werden. Eine sichere Aufenthaltserlaubnis ist das jedoch nicht. Erleichterungen gibt es auch für Ausländer, die seit vielen Jahren mit einer Duldung in Deutschland leben. Wenn sie gut integriert sind und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können, kann ihnen unter bestimmten Bedingungen eine gesicherte Aufenthaltserlaubnis erteilt werden.

Alle anderen Bestimmungen des neuen Aufenthaltsgesetzes laufen auf eine Kriminalisierung der Flüchtlinge hinaus und zwar einschließlich der Möglichkeit ihrer umgehenden Inhaftierung. In Zukunft soll u.a. in Abschiebehaft genommen werden können, wer hohe Geldsummen an Schleuser gezahlt hat. Im Gesetzestext wird das damit begründet, dass ein Flüchtling, der viel Geld für seine Einreise nach Deutschland investiert hat, verdächtig ist, sich seiner Auslieferung zu entziehen.

Verhaftet werden können auch diejenigen, die ihre Identität per »Unterdrückung oder Vernichtung von Identitäts- oder Reisedokumenten« verschleiern. Dies trifft vor allem jene, die ohne ihre Papiere fliehen mussten. Das neue Gesetz ermöglicht die Internierung von Flüchtlingen, die über Ungarn oder Italien nach Deutschland gekommen sind. Flüchtlinge, die aufgefordert worden sind, Deutschland zu verlassen, können vier Tage vor ihrem Abschiebetermin in Gewahrsam genommen werden.

Das alles beinhaltet ein Gesetz, das den Aufenthalt von Menschen regeln soll, die ihre Heimat verließen, weil sie politisch verfolgt wurden oder vor menschenunwürdigen Verhältnissen in den Kriegsgebieten geflohen sind, um sich in Europa eine neue Zukunft aufzubauen. Tatsächlich ist seit der ersten Änderung des Asylparagrafen 16 jede sogenannte Reform der Asyl- und Aufenthaltsgesetzgebung nichts als eine Verschärfung der inhumanen Haltung gegenüber Schutzsuchenden.

Die Absurdität der deutschen Asylpolitik wird nur noch von der bayerischen Staatsregierung übertroffen, die nach Verabschiedung des Gesetzes sofort die Einrichtung von zwei neuen »Asylzentren für Flüchtlinge mit geringer Bleibewahrscheinlichkeit« an ihren Landesgrenzen zu Südost-Europa verkündete. In diesen Abschiebelagern sollen vor allem Asylbewerber aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten wie Serbien, aber auch aus Albanien, Kosovo und Montenegro interniert werden. In beschleunigten Verfahren sollen sie möglichst schnell wieder in ihre Heimat abgeschoben werden.

Diese Politik der Abschreckung findet nicht nur die ungeteilte Zustimmung der Bundesregierung, sondern fällt auch beim Deutschen Städte- und Gemeindebund auf fruchtbaren Boden, denn dies könne, so der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg im WDR-Radio, »die Städte und Gemeinden entlasten, die an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit geraten sind«.

Die Probleme der Kommunen sind real und mit den Mitteln vor Ort nur schwer beherrschbar. Die europäische Flüchtlingspolitik des Dublin Verfahrens war schon zum Zeitpunkt ihrer Verabschiedung gescheitert – statt humanuitärer Hilfe und europäischer Solidarität war es eine Politik des cordon sanitaire, den sich das EU-Zentrum erkauft hatte.

Und so wie es aussieht, sind die politischen Hauptkräfte – die sich zunehmend unter rechtspopulistischem Druck wähnen – kaum zu Verfahrensänderungen in der Lage. Politik erweist sich hier nicht als Bewältigung eines Notstands, sondern als Teil desselben.

[1] Vgl. Rassistische Gewalt gegen Flüchtlinge nimmt dramatisch zu. www.mut-gegen-rechte-gewalt.de 30.6.2015.
[2] Inzwischen hat Google auf die Proteste reagiert. Wie der Internetkonzern über Twitter verlauten ließ, wurde die Karte gelöscht. www.netzwelt.de 21.7.2015.

Otto König/ Richard Detje, Sozialismus, 26.07.15