„Das“ Weib: Artikel sind nicht neutral

Bewusstsein Der Widerstand gegen die gendersensible Sprache ist ermüdend. Sie ist eine Bereicherung für die deutsche Sprache und wirkt Keine öffentliche Diskussion scheint mit so wenig Wissen-(schaft) auszukommen wie die über Sprache. Hier tummeln sich Hunderte selbsternannter Fachleute, sogenannte Sprachexperten, ja sogar Sprachpäpste, die ihre Befindlichkeiten ...

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Das Verschwinden der Insekten von der Oberfläche des Kapitals

Das in Bayern durchgeführte Volksbegehren "Rettet die Bienen" und dessen Erfolg nährt Hoffnungen, die bei genauerem Hinsehen Zweifel aufkommen lassen In Bayern wurde erfolgreich ein Volksbegehren durchgeführt. Es firmierte unter dem Titel "Volksbegehren Artenvielfalt" [1], warb um Teilnahme mit dem Slogan "Rettet die Bienen!" und war ...

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Otto – find ich nicht gut!

Version:1.0 StartHTML:0000000168 EndHTML:0000004640 StartFragment:0000000435 EndFragment:0000004623 Es ist wie immer. Alle sind dafür. Hier und da wird noch über den wachsenden Verkehr und die Qualität der Arbeitsplätze gemäkelt. Aber für die Hoffnung auf ein bisschen Gewerbesteuer und ein paar Arbeitsplätze wird alles hingenommen: selbst das Ende jeglicher ...

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Völkermord als Bündnisfall

Türkei Wenn die türkische Armee auf Rojava vorrückt, könnte es zu einem genozidalen Massaker kommen – verübt von der Nato und islamistischen Banden Erinnern Sie sich an die mutigen kurdischen Truppen, die die syrische Stadt Kobane so heldenhaft gegen den IS verteidigt haben? Sie stehen ...

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Die sogenannte Grundrente nicht zerreden, sondern sachlich kritisieren

„Die unter dem falschen Namen ,Grundrente’ wiederauferstandene  ,Rente nach Mindestentgeltpunkten’ könnte ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Altersarmut werden, wenn sie jetzt nicht von den Schwarze-Null-Fetischistinnen und Marktradikalen in der Union verwässert oder blockiert wird“, erklärt Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. ...

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100 Jahre »Acht-Stunden-Tag« Der lange Kampf

Zum 1. Januar 1919 wurde Realität, wofür die Arbeiterbewegung lange gekämpft hatte: der Acht-Stunden-Tag. Die Kämpfe um die Normierung der Arbeitszeit begleiten die Gewerkschaftsbewegung seit ihrer Entstehung; sie sind Ausdruck der inneren Bewegungsgesetze des Kapitalismus.[1] In ihrem »Heißhunger nach Mehrarbeit« (Marx) laufen die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände ...

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Die Vorwürfe sind knüppelhart

Pia Klemp, Sie haben als Kapitänin mit Rettungsschiffen Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Nun droht Ihnen und weiteren Seenotretter*innen in Italien ein Verfahren. Worum geht es? Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts auf Beihilfe zu illegaler Einwanderung. In Kürze wird es eine Anhörung geben, bei der ...

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Venezuela: Verfall und Niedergang eines »sozialistischen« Rentier-Staates

In Venezuela tobt ein offener Machtkampf zwischen Präsident Nicolás Maduro und dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó. Die amerikanische Regierung hat sich offensiv auf Guaidós Seite geschlagen und droht seit Tagen damit, alle denkbaren diplomatischen und wirtschaftlichen Hebel in Bewegung zu setzen, um Maduro zum ...

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Der methodologische Amoklauf des Lungenarztes Dieter Köhler

Die Automobilkonzerne kommen aus ihrer Krise aufgrund jahrzehntelangen kriminellen Abgasbetrugs nicht heraus. Die Kritik daran, dass bürgerliche Politiker willfährige Diener der Monopole sind, ist ein hauptsächlicher Grund für die tiefe Vertrauenskrise wachsender Teile der Massen in die Regierungsparteien. Wie dreist sich die Automobilkonzerne über die Belange ...

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Rechtsextreme Netzwerke in Polizei und Bundeswehr: NSU 2.0

»Sie müssen wissen, es gibt einen Eisberg, und wir sehen einen kleinen Teil und den größeren sehen wir nicht«, beschrieb 1964 Hessens Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die braunen Seilschaften in der Justiz der Nachkriegsjahre. Heute steht der Spruch auf einer Gedenktafel gegenüber dem Polizeirevier 1 an der ...

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Eine Chance für den Osterhasen

oster

Mit Saatbomben zu Stadtoasen: Die Bewegung der Gemeinschaftsgärten wird 20

So absurd es klingt, die Bedeutung von Stadt und Land hat sich bereits ins Gegenteil verkehrt. Während auf dem Land die Landschaft mittlerweile weitgehend ausgeräumt ist und per Glyphosat und Precision-Farming auch die letzten Wildkräuter und Saumhecken ausgemerzt werden, entwickeln sich immer mehr die Städte zu Lebensräumen großer Vielfalt und zu Refugien bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Wer zum Beispiel jetzt zu Ostern mal einen echten Feldhasen sehen will, hat laut Leibniz-Institut außgerechnet zwischen den Berliner Plattenbauten die besten Chancen dazu. Auch viele Vogelarten, Bienen, Schmetterlinge, Reptilien, Füchse haben es in Städten mittlerweile besser als auf dem Land.

Dass die Städte grüner werden, dazu hat bundesweit auch eine Bewegung beigetragen, die in diesem Jahr ihren zwanzigsten Geburtstag feiert: die Gemeinschaftsgärten. Den Anfang machten 1996 bosnische Flüchtlinge in Göttingen, sie gründeten auf Kirchenland den ersten “interkulturellen Gemeinschaftsgarten”. Was in etwas gespreiztem Gendersprech daherkam, bereitete einer Bewegung den Weg, die in den kommenden Jahren in einer großen Welle über die Städte schwappte. Heute listet die Dachorganisation Anstiftung & Ertomis in ihrer bundesweiten Übersichtskarte 598 Gemeinschaftsgärten.

Gemeinschaftsgarten Haßloch / Pfalz. Bild Matthias Brake

Mit unkonventionellen Methoden wurden dabei in den letzten Jahren Abrissflächen, Verkehrsinseln, ein ehemaliger Flughafen und sogar Parkhausdächer zu grünen Oasen inmitten der Städte verwandelt. Was vielerorts mit Saatbomben, also mit Blumensamen gefüllten Erdbatzen, begann, die im hohen Bogen auf Stadtbrachen geworfen das Abstandsgrün auf Verkehrsinseln oder Abruchflächen in blühende Wiesen verwandelten, hat sich zu Stadtoasen weiterentwickelt. Die Szene hat sich natürlich auch professionalisiert, die meisten Gemeinschaftsgärtner organisieren sich heute als Vereine. Aber statt den Rückzug ins private Schrebergartenglück zu suchen, legen die neuen Stadtgärtner den Fokus auf Gemeinschaftsaktionen und eine Öffentlichkeitsarbeit, die die Bewohner der Nachbarschaft einlädt mitzumachen.

Hochbeete auf dem Autobahntunnel in Oslos Hafen. Bild: Matthias Brake

Ein wichtiger Aspekt ist auch der Anbau und der Erhalt alter Kultursorten, die Imkerei und die ReUse- und Maker-Szene. Dazu kommen Kunstaktionen und immer mehr auch Angebote für Flüchtlinge, selbst die Hochschulen haben das Thema Landwirtschaft in der Stadt mit all ihren Facetten für sich entdeckt und zum Forschungsfeld erhoben.

Für viele Gemeinschaftsgärtner ist der Anbau von gesundem Gemüse wichtig, nicht durch Hunger getrieben, sondern durch den Wunsch, endlich wieder gesund zu essen – und zwar Gemüse, das wirklich Sonne gesehen hat, ungespritzt ist und nicht über globale Transportwege herangeschafft wurde. Dazu kommt bei den Neugärtnern auch die Freude und das Erfolgserlebnis, selber etwas anzubauen und zu ernten, in einer ansonsten vollkommen arbeitsteiligen, der eigenen Ernährung entfremdeten Gesellschaft.

Der wöchentliche “Home Grown” Market der Dublin Community Gardens. Bild: Matthias Brake

In Deutschland stehen somit die Selbstversorgung oder gar der kommerzielle Anbau auf städtischen Gärten nicht im Vordergrund. Das ist weltweit ganz anders. In vielen Megacities Asiens, Afrikas und Amerikas schließen Gemeinschaftsgärtner mit ihrer Ernte Versorgungslücken und sichern den informellen Gärtnern durch ein Zusatzeinkommen das Überleben. Selbst in im Winter eisigen Kanada haben Studenten Wege gefunden, unter verglasten Hochhausdächern in Montreal Gemüse für den Verkauf anzubauen.

Doch bei uns ist die Existenz der Gemeinschaftsgärten keineswegs gesichert. Sie gelten nur als Zwischennutzer und haben häufig nur Pachtverträge von einem bis zu drei Jahren. Demgegenüber stehen oft hohe Kosten bei der Anlage, zum Beispiel falls Hochbeete eingerichtet werden müssen, wenn der eigentliche Boden noch zu kontaminiert ist. Andererseits entwickeln sich auch viele Kooperationen mit den alteingesessenen Kleingärtnern, die durch den Generationenwechsel der gerade im Gange ist, neue Impulse bekommen, weg vom abgezirkelten Ziergarten hin zum ökologisch orientieren Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze. Und noch ein gemeinsames Anliegen eint die Schreber- und die Gemeinschaftsgärtner: Die Bedrohung der städtischen Gartenflächen durch eine nimmersatte flächenhungrige Bauindustrie, der am besten gemeinsam zu begegnen ist.