AfD: National und Neoliberal

Alexander Gauland würde es am liebsten mit Christian Lindner machen - falls sich die Gelegenheit ergeben sollte, versteht sich. Der smarte FDP-Posterboy[1] sei sein bevorzugter Koalitionspartner, erklärte[2] der greise - aber offensichtlich immer noch rüstige - Spitzenpolitiker der AfD gegenüber Medienvertretern rund eine Woche vor ...

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70 Prozent der Deutschen für das Abkommen zum Verbot von Atomwaffen

Ab dem 20. September können die Staaten dem Vertrag beitreten, die Bundesregierung boykottierte wie die anderen Nato-Staaten die Verhandlungen bei den Vereinten Nationen Am 20. September wird der Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, den 122 Staaten beschlossen haben, von UN-Generalsekretär António Guterres zur Unterschrift frei gegeben. ...

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AfD: Trübe Finanzquellen

Die AfD ist im Bundestagswahlkampf sehr präsent. Nicht nur in den Massenmedien, wo etwa der wegen Volksverhetzung angezeigte Alexander Gauland weiterhin Talkshow-Dauergast ist, sondern auch im Straßenwahlkampf. Dem unbedarften Beobachter stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, woher all das viele, viele Geld herkommt, das die AfD ...

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can`t be silent

Konzert & Film zum Tag des Flüchtlings 28. Sept., 18:30 Uhr, Einlass 18 Uhr, im ehem. Roxi-Kino Gießen am Ludwigsplatz, Eintritt frei! Eine Veranstaltung der THM

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Win-Win Diesel

Finanzinvestoren schielen auf Auto-Aktien: Bis der Elektromotor kommt, lässt sich verdienen Schöpferische Zerstörung: Dieser Begriff, den im vorigen Jahrhundert der Ökonom Joseph A. Schumpeter in die Sprache seiner Wissenschaft einführte, benennt die Ersetzung veralteter Produkte und Verfahren durch modernere. Kapital, das in ihnen angelegt war, wird ...

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Ende Gelände schafft ein Klima der Gerechtigkeit

Tausende protestierten bei Aktionstagen gegen Braunkohle In den letzten zwei Tagen blockierten tausende Ende Gelände-Aktivist*innen die Gleise, auf der das Kraftwerk Neurath mit Braunkohle versorgt wird. Die Aktivist*innen forderten Klimagerechtigkeit und den sofortigen Braunkohleausstieg. Am Freitag wurden die Kohlebahn über neun Stunden besetzt. Am Samstag wurden ...

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ROG: Verbot von linksunten.indymedia ist rechtsstaatlich fragwürdig

Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert das Vorgehen des Bundesinnenministeriums beim Verbot der als linksextremistisch eingestuften Website linksunten.indymedia.org als rechtsstaatlich gefährliche Entwicklung. „Aufrufe zu Gewalt sind inakzeptabel – sie müssen gelöscht und ihre Urheber bestraft werden. Aber Pressefreiheit gilt auch für unbequeme, ja selbst für schwer ...

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Vor der Wahl: Zukunftskonzepte oder »kleinere Übel«?

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl scheint die Feststellung der politischen Kräfteverhältnisse bereits entschieden. Der Abstand zwischen den Unionsparteien und der Sozialdemokratie lässt einen Führungswechsel nicht zu. Der Stimmanteil von CDU/CSU schwankt seit Monaten um knapp 40%, die SPD hat laut Umfragen Mühe, ihr Ergebnis von ...

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Dieselgate - oder wie man sich selbst belügt

Dieselgate bringt es an den Tag. Der Diesel ist nicht nur das Objekt absurder Manipulationen der Automobilhersteller, sondern auch und viel schlimmer, der Umweltfeind Nummer eins. Weil er in Stuttgart die Neckarstraße derart verdreckt, dass dort die europäischen Feinstaub- und Stickoxydgrenzen regelmäßig gerissen werden. Was ...

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Das Ende der Party

Flucht Nicht die freiwilligen Retter im Mittelmeer sind schuld an Migration. Es ist der Lebenswandel von Europas Spaßgesellschaft Bartholomäus von Laffert (Freitag, 31/17) Wer nicht unterschreibt, der hat etwas zu verbergen. Das ist das Bild, das die Medien gerade über Nichtregierungsorganisationen (NROs) verbreiten, die auf ...

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»Mitgefühl ist ausgeschlossen«

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Wann lacht ein Killer? Über NSU, »­fragmentierte Körper« und Ideologie. Ein Gespräch mit Klaus Theweleit

Sie haben am 30. September NSU-Strafprozesses besucht. Haben Sie Beate Zschäpe oben von der Besucherbalustrade lachen gesehen?

Ja, mehrmals sogar.

Warum hat sie gelacht?

Es gab in der Verhandlung ein Geplänkel zwischen einem der Zschäpe-Rechtsanwälte und dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl über eine Verfahrensfrage. Die haben sich beide ziemlich aufgeplustert, Götzl sah seine Autorität in Frage gestellt. Am Schluss hat ihm der Rechtsanwalt die aber bestätigt: »Selbstverständlich, Herr Vorsitzender, …« und so weiter. Das hat Beate Zschäpe amüsiert, dass die Justizfreaks, die sie nun schon zwei Jahre mit ihrem Schweigen vollbeschäftigt, sich ihretwegen – der mysteriösen Mitkillerin – in die Wolle kriegen: grins. Das Ganze war aber mehr ein Showduell zur Durchbrechung der Langeweile der Gerichtsroutine.

Und was hat das mit dem »Lachen der Täter«, über das Sie Ihr neues Buch geschrieben haben, zu tun?

Nichts.

Wie bitte?

Das Lachen der Täter, über das ich schreibe, ist ein eruptives Lachen, aus den Körpern der Killer hervorbrechend im Tötungsakt. Solch ein Lachen ist in einem Gerichtsprozess selbstverständlich nicht zu erwarten. Es lacht sich auch in kleineren Formaten. Nach Adorno und Horkheimer in der »Dialektik der Aufklärung«, auf die ich mich unter anderem beziehe, ist Lachen in erster Linie ein Zeichen der Gewalt, »der Ausbruch blinder, verstockter Natur«, wie sie schreiben.

Und was hat der Killer zu lachen?

Er feiert das Glücksgefühl einer momentanen Ganzheit. Der rasend lachende Killer komplettiert seinen eigenen Körper, sein Gelächter ist die Begleiteruption zur eigenen Selbstgeburt; am liebsten vollzogen im Gelächter einer Truppe, der er sich machtvoll einfügt. Dieses Lachen schließt die Präsenz jeder anderen Emotion aus. »Mitgefühl« mit den Opfern ist dabei – rein physiologisch – ausgeschlossen.

Adorno und Horkheimer sprechen auch vom »Teuflischen des falschen Lachens«, eine Art versteinertes Gelächter, das die Furcht dadurch bewältigt, »indem es zu den Instanzen überläuft, die zu fürchten sind«. Eben das sei das »organisierte Gelächter« im Getöse der Antisemiten. In der »Dialektik der Aufklärung« wird aber auch das »entgegengesetzte Element« des Lachens reflektiert, mit dem man in einer glücklicheren Umgebung »der zerstörenden Gewalt sich begebe«. Es gibt also wenigstens zwei Sorten Lachen?

Es gibt viel mehr Sorten, unendlich viele. Das »entgegengesetzte Element« zu dem der Gewalt wurde dabei von Freud formuliert. Er sah das Lächeln entstehen in der Mundbewegung des gesättigten Säuglings, der von der Mutterbrust ablässt. Heutige Forscher gehen eher davon aus, dass die muskuläre Lachbewegung phylogenetisch aus dem Zähnefletschen hervorgegangen ist, welches dem Biss vorausgeht; der, in diesem Fall, durch das Lachen ausgebremst würde.

»Fun ist ein Stahlbad«, dieser berühmte Satz folgt in der »Dialektik der Aufklärung« der Passage über das »schlechte Lachen«. Der Killer presst sich sein Lachen als Ausdruck »blinder verstockter Natur« aus dem Leib?

Das stimmt so nur noch teilweise. Die Lage der Mannheit, weltweit, hat sich etwas verändert. So wie die Killer heute technologisch hochgerüstet, schwerbewaffnet und modern daherkommen – vom zentralafrikanischen Spezialfall mit der Machete sehe ich jetzt ab –, mit dem Mobiltelefon in der einen, mit der Knarre in der anderen Hand, wäre es unzutreffend, das weiter nur als »blinde Natur« zu begreifen. Das Adjektiv »verstockt« trifft es schon präziser. Die verstockte Seite lacht allerdings auch aus Überforderung, nämlich auch aus der im Innern kochenden Todesangst. Statt aus »blinder Natur« handelt der heutige Killermann eher aus vielsehender, alleswissender Technologie heraus.

Wie knüpfen Sie eine Verbindung vom NSU zu den Killing Fields in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs und später in Indonesien, Guatemala, Ruanda bis hin zu Anders Breivik in Norwegen?

Die Verbindung ergibt sich von alleine. Das sogenannte Bekennervideo der Nazikiller ist ein sich selbst feierndes Hohngelächter über ihre Opfer. Im NS-Untergrund wurde schon jahrelang die Mordserie des NSU befeixt, als die Landeskriminalämter immer noch nach Tätern unter den Migranten suchten. Der Song »Döner-Killer« feierte die Verbreitung von »Angst und Schrecken. Der Döner bleibt im Halse stecken.« In der Selbstenttarnung des NSU, diesem Paulchen-Panther-Video, steht der Spaß des Mordes an Migranten unverblümt im Vordergrund.

Sie machen in Ihrem neuen Buch klar: Es geht nicht um Ideologie und auch nicht um Religion. Denn die lachenden Killer wechseln sie bei Bedarf. Breivik nennen Sie einen »frei flottierenden SS-Mann«, der genausogut auch muslimischer Dschihadist sein könnte. Es gehe um den Körper und die damit gemachten Erfahrungen. Faschismus soll keine Ideologie sein?

Nur für Ideologen ist Faschismus primär eine »Ideologie«. Er ist aber etwas anderes: »Faschismus« ist eine bestimmte Art und Weise, die Realität zu produzieren. Durchgeführt von Menschen, speziell von Männern, mit einer bestimmten Körperlichkeit, die ich den »fragmentierten Körper« nenne. Gemeinsam ist ihren Trägern, dass sie sich aber gerade nicht als »gestört« oder gar zerstört empfinden, sondern im Gegenteil: als Retter der Welt, der sie die Heilung bringen; oder zumindest als Retter ihres Landes. In ihrem Innern toben Ängste, Zerfallsängste. Es resultiert der »fragmentierte Körper«, der zu Zwecken der eigenen Angstbewältigung sich die Realität unterwirft; sie in ein »geordnetes«, das heißt hierarchisches System, zu überführen sucht, weil er sie sonst nicht aushält; und der, wo er eigene Unsicherheiten bzw. »Bedrohungen« empfindet, diesen nicht anders begegnen kann als mit Gewalt. Zugespitzt: durch Töten. Noch zugespitzter: durch restloses Ausrotten all dessen, was ihn »bedroht«. Dadurch erreicht er ein (vorübergehendes) Gefühl körperlicher Ganzheit. Breivik mordet als »Christ«. Die IS-Killer im Namen Allahs. Sogenannte Argumente für die »Rechtmäßigkeit« der eigenen Tötungsarbeit – also ideologische Konstruktionen – lassen sich immer finden; sogar von den Blödesten. Ideologien sind Schnickschnack; Zeug zur Verschleierung anderer Motive; so z. B. auch die Rede von »Freedom and Democracy« zur Verschleierung von Ölraub im Nahen Osten.

Was heißt das für eine – sagen wir – linke Gegenideologie mit der Perspektive von Antifaschismus und Frieden?

Gegenideologien sind hilflos. Sie setzen voraus, dass das »Gegenüber« durch Argumente, »Gegenargumente« überzeugbar wäre, vom eigenen Tun abzulassen. Das ist es aber nicht. Der Neonazi weiß genausogut wie der religiöse »Kreationist«, dass seine »Argumente« einer unvoreingenommenen »rationalen« Überprüfung nicht standhalten würden. Er weiß, dass er Quatsch erzählt. Das ist gerade sein Vorteil. Kein »Argument« der Welt kann ihm etwas anhaben. Menschen verändern sich zum Besseren nur durch Veränderungen ihrer körperlich-gesellschaftlichen Lage; heißt: nur durch veränderte Beziehungen, freundliche. An erster Stelle durch die Berührung mit anderen Menschen, Hautkontakte, andere (be)rührende Kontakte; Kontakte der Lebens- und Arbeitssituation. Dass man – als Aufklärer – einer besseren Ideologie anhängt, hilft niemandem. Höchstens einem selber; aber nicht einmal das ist sicher.

Klaus Theweleit: Das Lachen der ­Täter: Breivik u.a.: Psychogramm der Tötungslust. Residenz-Verlag, Salzburg 2015, 248 S., 22,90 Euro

aus: jw, 11.11.15