Der Krisenausweg des BSW – oder: die träumerische Erneuerung des Kapitalismus. Die »dümmste Regierung Europas« im Visier

Das »Bündnis Sahra Wagenknecht« (BSW) nimmt mit ihrem ersten Parteitag die Hürden für einen Antritt zu den Europawahlen. Auf der eintägigen Veranstaltung der 450 Gründungsmitglieder wurde zunächst der Parteivorstand gewählt. Den Vorsitz der Partei übernehmen die Namensgeberin und die frühere Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Amira ...

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CDU fordert Verfassungsänderung, um Totalsanktionen möglich zu machen

CDU fordert Verfassungsänderung, um Totalsanktionen möglich zu machen In den öffentlichen Debatten wird immer klarer, dass 100%-Sanktionen im Sozialrecht verfassungsrechtlich nicht zulässig sind. Dies wurde auch von Tacheles in seiner Stellungnahme im Gesetzgebungsverfahren zum Haushaltssicherungsgesetz herausgearbeitet. Nun fordert heute der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Jens Spahn, ...

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Die unendliche Karstadt – Geschichte: auf, auf zur vierten Insolvenz!

Am 08. Januar 2024 war es mal wieder soweit: Der Warenhauskonzern Karstadt Kaufhof Galeria GmbH gab bekannt, dass beim Amtsgericht Essen ein Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt wurde. Das erste Insolvenzverfahren bei Karstadt wurde schon 2009 abgewickelt. Auch im zweiten Insolvenzverfahren 2020 hatte sich ...

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Keine linke Partei: Wagenknechts linkskonservatives Elitenprojekt

44 ausgewählte Vertrauenspersonen aus dem politischen Umfeld von Sahra Wagenknecht haben heute Vormittag in einem Berliner Hotel die Partei „Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit“ (kurz BSW) gegründet. Im Anschluss daran gaben Teile des von der Gründungsversammlung gewählten Parteivorstands sowie die beiden designierten Spitzenkandidaten ...

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Das Elend der Schuldenbremse beenden – Wege aus dem Finanzchaos

Nachdem die Kritik an der Schuldenbremse unter dem Druck ihrer unübersehbaren Ausbremsung für die Zukunft an Breite gewinnt, ist ein Rückblick unvermeidbar: Die »Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik« hat bereits seit dem Start der »Föderalismuskommission II« im März 2007 die Schuldenbremse analytisch fundiert und empirisch abgesichert kritisiert. Plädiert ...

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Zulieferer für die Energiewende

Kanzler Scholz drängt die Staaten Afrikas auf Investitionskonferenz in Berlin zur Produktion grünen Wasserstoffs für Deutschland. Deutsche Wirtschaft fällt in Afrika immer mehr zurück. 21 Nov 2023 BERLIN (Eigener Bericht) – Afrika soll sich stärker als bisher als Zulieferer für die deutsche Energiewende formieren. Mit diesem Ziel hat die ...

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Linkes Bündnis - Sorgen über Stadtfraktion

Dieser Trage trafen sich Mitglieder und Freunde des Linken Bündnisses, um sich zu aktuellen Fragen auszutauschen. „Wir verurteilen die Gräueltaten der Hamas vom 7. Oktober“ – so wurde einmütig der brutale Überfall der Hamas auf israelische Staatsbürger sowie ihre Verschleppung als Geiseln beurteilt. „Wenn die ...

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Hessen vor einer Großen Koalition: Renaissance der Realpolitik?

Die Hessische CDU mit ihrem neuen Anführer Boris Rhein hat überraschend beschlossen, mit der großen Verliererpartei SPD Koalitionsverhandlungen aufzunehmen. Er begründet den einstimmig gefassten Beschluss zur Ablösung des langjährigen grünen Koalitionspartners mit der Notwendigkeit einer »Renaissance der Realpolitik«. Die Menschen würden bei aktuell drängenden Themen »konkrete ...

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Wofür steht die Hamas?

Über die Hamas werden die unterschiedlichsten Deutungen, Informationen und Geschichten verbreitet. Sie firmiert in der westlichen Propaganda verzerrt als „islamistisch“ oder „extremistisch“. Sie behauptet, sie sei die „islamische Widerstandsbewegung“. Sie wird von bürgerlichen Medien gerne fälschlich gleichgesetzt mit dem palästinischen Befreiungskampf, was auch von revisionistischen Kräften ...

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Gießener Linke fragt nach den Mindeststandards im Busverkehr des Landkreises

Gemäß dem 2020 von der Verbandsversammlung des ZOV beschlossenen Nahverkehrs­plan gelten Mindeststandards für die Anzahl an An- und Abfahrten in den Kommunen „die während des gesamten Jahres, auch während der Schulferien vorgehalten werden müssen“ (Nahverkehrsplan, S. 102). Je nach räumlichem Gebiet (Kategorie 1, 2 oder 3) ...

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Ungeklärte Fragen zu Rudolf Hess bei seinem Flug nach Schottland 1941 in Gießen. Eine Rezension

Das Empfangsgebäude des Gießener Flughafens von 1927, Aufnahme Ende der 1920er Jahre

Wenn Neues über eine Landung von Rudolf Heß 1941 in Gießen und über seine engen Freun­de hier, vor allem, daß der  bekannte Alfred Kaufmann sein ehemaliger Lehrer war, zu erfah­ren ist, muß man nötigenfalls auch auf englischsprachige Literatur zurückgreifen, die hier be­sprochen werden soll. In dem neuesten Buch von Harris/Wilbourn von 2019 über den Schott­landflug von Rudolf Hess, dem schon seit 1992 ein halbes Dutzend ähnlicher Bücher der bei­den Autoren zu diesem Thema vorausgingen, kommt auch Gießen vor. Auf dem damaligen Flughafen Gießen – auch mit Fotos dokumentiert – habe Hess  seinen Flieger BF110 am 10. Mai 1941 zwischen Augsburg und Borkum  aufgetankt. Rudolf Hess, engster Vertrauter Hit­lers, Mitverfasser von „Mein Kampf“ und  1933 „Führerstellvertreter“, war noch bis 1989 und danach eine Galionsfigur der Nazis, mit den bekannten Demonstrationen zum Wallfahrtsort Wunsiedel.

Das Buch der britischen Autoren wimmelt von technischen Details, die  wegen ihrer Vielzahl und Komplexität nicht referierbar sind, aber auch von bekannten Namen wie Karl und Albrecht Haushofer, Hess Freund Alfred Rosenberg, Helmuth von Moltke, Ulrich von Hassell, Ruprecht von Bayern, Herbert Backe, Walter Darré,  Ernst Bohle, Carl Jacob Burck­hardt, (selbst der ehemalige Kanzler Willy Brandt gerät unter die beanspruchten Namen, da er einmal eine Liste der „Hilfsgemeinschaft Freiheit für Rudolf Hess“ unterschrieben zu haben scheint), englischerseits der Duke of Hamilton, King George VI, Ernest Bevin, der polnische General Wladyslaw Sikorski, sowie weitere eher unbekannte Personen, u.a. der finnische His­toriker Tancred Borenius, der polnische Politiker Josef Retinger, die anthroposophischen Alternativ-Mediziner Zeileis, dazu internationale Geheimdienstler. In der Flut von Zahlen, Personen und vielen hypothetischen Erklärungen zum Rätsel des Hess-Fluges verliert der Leser leicht die Übersicht. Es werden alle möglichen Eventualitäten breit ausgespielt ohne eine wirkliche Klärung. Bei den spekulativen Thesen sind wohl nur wenige Zusammenhänge sicher, wie der von dem – von Hess nur phantasierten – Dreieck Karl Haushofer – Duke of Hamilton – Rudolf Hess, welche den Plan zum Flug schon im Sommer 1940 gefaßt haben sollen. Eine Invasion wird nach dem Verlust der deutschen Lufthoheit 1941 kaum noch er­wartet. Einige andere Autoren unterstellen Hess sogar den Wunsch „to bring the war to an end so as to prevent the Holocaust.“ Das Unternehmen sollte durch Verhandlungen mit den politi­schen Gegnern Churchills – vor dem geplanten Krieg gegen die UdSSR – den Frieden im Westen Europas retten. Wie man weiß, wollte Hitler unbedingt die Eroberung des Ostens. Hess verblüfft vor allem durch seine wirklichkeitsfremden Betrachtungen der Politik.

Erwähnt werden von Harris/Wilbourn „two close friends“ aus Gießen, der Universitäts-Rektor Gerhard Pfahler (1934-1938) mit den Schwerpunkten Rassenfrage und Erbcharakterologie, ein „Vollblutnazi“ (der unter den Bildern in der Gießener Universitäts-Aula natürlich fehlt) und Dr. Alfred Kaufmann, der in Alexandria ehemals der Lehrer und Pfarrer von Rudolf Hess gewesen war und ihn auch getauft hatte. Nach dem Hess-Flug im Mai 1941 war er der Gast­geber des bekannten „Gießener Freitagskränzchens“, einer „Feind-Sender“-Hörergruppe, aus der nach der Verhaftung im Februar 1942 durch Gestapo und NS-Justiz drei Personen zu Tode kamen: Pfarrer Ernst Steiner und das Ehepaar Elisabeth und Heinrich Will. Kaufmann hatte seit 1933 wieder engeren Kontakt zur Hess-Familie gesucht und sich als Vortragsredner in vielen deutschen „Gauen“ immer wieder als ehemaliger Lehrer von Rudolf Hess ankündi­gen lassen.

Im Buch von Harris/Wilbourn bleibt die Bedeutung des nur einmal kurz genannten Kaufmann bei  der Zwischenlandung von Hess in Gießen jedoch völlig offen. Die Gestapo hat 1942 in ihren Berichten für den Volksgerichtshof seine peinliche Doppelrolle als ehemaliger Lehrer von Hess und Gastgeber der „Feindsender“hörergruppe sorgsam eliminiert, so dass sie auch den Gießener Historikern, die ihn noch 1986 in „Heinrich Will. Leben und Werk“ für einen Widerständler hielten, entgangen ist.

Die Zugehörigkeit der o.g. Autoren zur Gruppe der historischen „Revisionisten“ zeigt sich an Details: der Selbstmord von Rudolf Hess 1987 in Spandau wird bestritten: „Hess was murde­red“ bzw „was killed“, nachdem er schon in Nürnberg unter Drogen gesetzt worden sei. Der meist zitierte Autor ist der vorbestrafte und in Österreich auch einmal inhaftierte  Holocaust­leugner David Irving. Harris/Wilbourn berufen sich auf ihn, u.a. für Hess` Flugplan, und ord­nen ihn im Vorfeld des Überfalls auf die Sowjetunon ein: „We are not sure if Hess agreed with the action against Russia. David Irving suggests that he did not.“ Und noch spekulativer: „Did Hess doubt as to Hitler`s military leadership?“ Einmal wird erzählt, Hess, einer der schärfsten Antisemiten in der NS-Führung, habe besonders die jüdischen Familien Haushofer und Zeileis geschützt, was seine Position als Antisemit aber nicht in Frage stellt. Die Publika­tion zielt wohl hauptsächlich auf einheimische „Revisionisten“, die heute im Sinne der deut­schen Rechten in den sozialen Medien ein geschöntes Hess-Bild in unserer Öffentlichkeit ver­breiten möchten. Befremdlich wirkt auf den heutigen Leser vor allem das idealisierende Mit­gefühl für einen an den Nazi-Verbrechen Hauptverantwortlichen in einer Rolle als „Prisoner of Peace“, eines Mannes also, der doch nur den Frieden bringen wollte, das Beweinen des tragischen „cruel fate of Rudolf Hess“ als Opfer der Geschichte.

Bei den beiden englischen Autoren scheint es sich um emotional engagierte historische Laien zu handeln, einen Farmer und einen Farmmanager. So wird im Text auf Fußnoten verzichtet. Die Archivhinweise machen ohne nähere Angaben der Bestände einen wenig wissenschaftli­chen Eindruck. Auch wird zur Thematik gehörende Literatur übergangen. Das „Rätsel“ um den Englandflug wird weiter vernebelt. Wegen der Verlagerung auf die schiefe „revisionisti­sche“ Optik mit der Verharmlosung des Nationalsozialismus ist es mir wichtig, vor diesen rechtsextremen Ideologien öffentlich deutlich zu warnen.

John Harris and Richard Wilbourn: Rudolf Hess. Truth At Last. The untold story of the Deputy Führer`s flight to Scotland in 1941. Uniform. London, 2019 ISBN 978-1-912690-52-7

Jörg Jatho, 16.5.2020

(Der Beitrag wurde von den beiden Gießener Tageszeitungen leider nicht veröffentlicht)