Bolivien – die Linke kehrt an die Macht zurück: »Das Volk hat gewonnen«

Es war ein Moment der Hoffnung – nicht nur für Bolivien, sondern für Lateinamerika: Obwohl die »Bibel schwingenden« Putschisten vor einem Jahr verkündet hatten, dass »die Wilden nie wieder an die Macht« kommen dürften, wurden am 8. November der neu gewählte linke Präsident Luis Arce ...

weiterlesen

Kreistagsfraktion Gießener Linke legt Verkehrswendebuch vor

In diesem Reader finden Sie zahlreiche Beispiele, Initiativen und Vorschläge für die Umsetzung der Verkehrswende in der Region. Dies war das Ziel unserer Veröffentlichung: Einen Beitrag zu leisten, der die Vielfalt und Qualität der vor Ort entwickelten Positionen und Konzepte aufzeigt und damit hilft, die ...

weiterlesen

Hessens rechtes Problem

„NSU 2.0“ Seit Jahren werden Frauen von Rechtsextremen bedroht. Die Aufklärung lässt auf sich warten Timo Reuter | Freitag 41/2020  Der Schock saß tief, damals, kurz vor Weihnachten. Sechs Polizistinnen und Polizisten aus dem 1. Frankfurter Revier hatten über mindestens ein Jahr hinweg rechtsextreme Nachrichten und Hitler-Bilder per Chat ausgetauscht. Doch ...

weiterlesen

Rechtsextreme Chatgruppen – Einzelfälle oder ein strukturelles Problem der Polizei? Spitze des Eisbergs

Hitlergruß, antisemitische Videos und Reichsbürgersymbole: Polizeibeamte in Deutschland sind in den vergangenen fünf Jahren in mindestens 170 Fällen mit rassistischem und rechtsextremem Gedankengut aufgefallen. So das Ergebnis eine Umfrage des Tagesspiegel in den Innenministerien und Polizeipräsidien der 16 Bundesländer.[1] In NRW sind in jüngerer Zeit fünf ...

weiterlesen

Erschreckender Aufwärtstrend bei der Altersarmut

Jahr für Jahr können immer mehr Senior*innen allein von ihrer Rente nicht mehr leben. Der Anstieg der Altersarmut ist ein chronisches Problem, auf dass die politischen Akteure nur mit beruhigenden Worten reagieren. Mittlerweile ist in Deutschland nach Daten des Europäischen Statistikamts (Eurostat) fast jeder Fünfte über ...

weiterlesen

Dannenröder Wald retten – Autobahn stoppen – Verkehrswende jetzt – Tausende zu Protest erwartet

Die Rodungen im Dannenröder Wald in Hessen für den Weiterbau der umstrittenen A 49 stehen unmittelbar bevor: Heute begannen erste Fällarbeiten im benachbarten Herrenwald für die künftige Autobahntrasse. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Aktionsbündnis „Keine A 49“, Campact, Fridays for Future ...

weiterlesen

Donald Trump - Ein neuer Kaiser des Lumpenproletariats?

US-Präsident Donald Trump ist der »Prinz des Lumpenproletariats«. Das ist eine zentrale These in meinem neuen Buch. Die Frage, die sich uns am 3. November und weit darüber hinaus stellt: Krönt Donald Trump sich zum »Kaiser des Lumpenproletariats«? Dieser Terminus ist Karl Marx’ Schrift »Der achtzehnte ...

weiterlesen

Gießener Linke verlangt vor Verabschiedung eine Bürgerbeteiligung und Überarbeitung des Radwegplans des Landkreises

Es ist sicher ein erster wichtiger Schritt, dass der Landkreis nach Jahren des Anlaufs und mehreren nicht haltbaren Ankündigungen jetzt endlich ein Radwegekonzept vorlegt. Auch wenn man auf den ersten Blick den Eindruck hat, dass es mehr darum geht, überhaupt über einen Plan zu verfügen, ...

weiterlesen

Schülerbeförderung: Handeln statt Missstände verwalten!

Gießener Linke zeigt sich irritiert und verwundert In ihrer letzten Fraktionssitzung beschäftigte sich die Kreisfraktion "Gießener Linke" u.a. auch mit den Inhalten und Aussagen des Artikels im Gießener Anzeiger vom Samstag 22. August "Einatmen, Anhalten, Ausatmen". Keine Überraschung war die Feststellung, dass nach Schulbeginn die Busse wieder ...

weiterlesen

Stadt Gießen: Dreierkoalition des Stillstandes

Linkes Bündnis in Beratung über weitere Arbeit und Kommunalwahl Coronabedingt trafen sich die Mitstreiter  des Linken Bündnisses in einem Kleingarten an der Lahn, um über aktuelle Fragen ein gutes halbes Jahr vor den Kommunalwahlen zu diskutieren.  Stadtverordneter Michael Janitzki berichtete vom Gießener Stadtparlament; Stefan Walther und ...

weiterlesen

Ungeklärte Fragen zu Rudolf Hess bei seinem Flug nach Schottland 1941 in Gießen. Eine Rezension

Das Empfangsgebäude des Gießener Flughafens von 1927, Aufnahme Ende der 1920er Jahre

Wenn Neues über eine Landung von Rudolf Heß 1941 in Gießen und über seine engen Freun­de hier, vor allem, daß der  bekannte Alfred Kaufmann sein ehemaliger Lehrer war, zu erfah­ren ist, muß man nötigenfalls auch auf englischsprachige Literatur zurückgreifen, die hier be­sprochen werden soll. In dem neuesten Buch von Harris/Wilbourn von 2019 über den Schott­landflug von Rudolf Hess, dem schon seit 1992 ein halbes Dutzend ähnlicher Bücher der bei­den Autoren zu diesem Thema vorausgingen, kommt auch Gießen vor. Auf dem damaligen Flughafen Gießen – auch mit Fotos dokumentiert – habe Hess  seinen Flieger BF110 am 10. Mai 1941 zwischen Augsburg und Borkum  aufgetankt. Rudolf Hess, engster Vertrauter Hit­lers, Mitverfasser von „Mein Kampf“ und  1933 „Führerstellvertreter“, war noch bis 1989 und danach eine Galionsfigur der Nazis, mit den bekannten Demonstrationen zum Wallfahrtsort Wunsiedel.

Das Buch der britischen Autoren wimmelt von technischen Details, die  wegen ihrer Vielzahl und Komplexität nicht referierbar sind, aber auch von bekannten Namen wie Karl und Albrecht Haushofer, Hess Freund Alfred Rosenberg, Helmuth von Moltke, Ulrich von Hassell, Ruprecht von Bayern, Herbert Backe, Walter Darré,  Ernst Bohle, Carl Jacob Burck­hardt, (selbst der ehemalige Kanzler Willy Brandt gerät unter die beanspruchten Namen, da er einmal eine Liste der „Hilfsgemeinschaft Freiheit für Rudolf Hess“ unterschrieben zu haben scheint), englischerseits der Duke of Hamilton, King George VI, Ernest Bevin, der polnische General Wladyslaw Sikorski, sowie weitere eher unbekannte Personen, u.a. der finnische His­toriker Tancred Borenius, der polnische Politiker Josef Retinger, die anthroposophischen Alternativ-Mediziner Zeileis, dazu internationale Geheimdienstler. In der Flut von Zahlen, Personen und vielen hypothetischen Erklärungen zum Rätsel des Hess-Fluges verliert der Leser leicht die Übersicht. Es werden alle möglichen Eventualitäten breit ausgespielt ohne eine wirkliche Klärung. Bei den spekulativen Thesen sind wohl nur wenige Zusammenhänge sicher, wie der von dem – von Hess nur phantasierten – Dreieck Karl Haushofer – Duke of Hamilton – Rudolf Hess, welche den Plan zum Flug schon im Sommer 1940 gefaßt haben sollen. Eine Invasion wird nach dem Verlust der deutschen Lufthoheit 1941 kaum noch er­wartet. Einige andere Autoren unterstellen Hess sogar den Wunsch „to bring the war to an end so as to prevent the Holocaust.“ Das Unternehmen sollte durch Verhandlungen mit den politi­schen Gegnern Churchills – vor dem geplanten Krieg gegen die UdSSR – den Frieden im Westen Europas retten. Wie man weiß, wollte Hitler unbedingt die Eroberung des Ostens. Hess verblüfft vor allem durch seine wirklichkeitsfremden Betrachtungen der Politik.

Erwähnt werden von Harris/Wilbourn „two close friends“ aus Gießen, der Universitäts-Rektor Gerhard Pfahler (1934-1938) mit den Schwerpunkten Rassenfrage und Erbcharakterologie, ein „Vollblutnazi“ (der unter den Bildern in der Gießener Universitäts-Aula natürlich fehlt) und Dr. Alfred Kaufmann, der in Alexandria ehemals der Lehrer und Pfarrer von Rudolf Hess gewesen war und ihn auch getauft hatte. Nach dem Hess-Flug im Mai 1941 war er der Gast­geber des bekannten „Gießener Freitagskränzchens“, einer „Feind-Sender“-Hörergruppe, aus der nach der Verhaftung im Februar 1942 durch Gestapo und NS-Justiz drei Personen zu Tode kamen: Pfarrer Ernst Steiner und das Ehepaar Elisabeth und Heinrich Will. Kaufmann hatte seit 1933 wieder engeren Kontakt zur Hess-Familie gesucht und sich als Vortragsredner in vielen deutschen „Gauen“ immer wieder als ehemaliger Lehrer von Rudolf Hess ankündi­gen lassen.

Im Buch von Harris/Wilbourn bleibt die Bedeutung des nur einmal kurz genannten Kaufmann bei  der Zwischenlandung von Hess in Gießen jedoch völlig offen. Die Gestapo hat 1942 in ihren Berichten für den Volksgerichtshof seine peinliche Doppelrolle als ehemaliger Lehrer von Hess und Gastgeber der „Feindsender“hörergruppe sorgsam eliminiert, so dass sie auch den Gießener Historikern, die ihn noch 1986 in „Heinrich Will. Leben und Werk“ für einen Widerständler hielten, entgangen ist.

Die Zugehörigkeit der o.g. Autoren zur Gruppe der historischen „Revisionisten“ zeigt sich an Details: der Selbstmord von Rudolf Hess 1987 in Spandau wird bestritten: „Hess was murde­red“ bzw „was killed“, nachdem er schon in Nürnberg unter Drogen gesetzt worden sei. Der meist zitierte Autor ist der vorbestrafte und in Österreich auch einmal inhaftierte  Holocaust­leugner David Irving. Harris/Wilbourn berufen sich auf ihn, u.a. für Hess` Flugplan, und ord­nen ihn im Vorfeld des Überfalls auf die Sowjetunon ein: „We are not sure if Hess agreed with the action against Russia. David Irving suggests that he did not.“ Und noch spekulativer: „Did Hess doubt as to Hitler`s military leadership?“ Einmal wird erzählt, Hess, einer der schärfsten Antisemiten in der NS-Führung, habe besonders die jüdischen Familien Haushofer und Zeileis geschützt, was seine Position als Antisemit aber nicht in Frage stellt. Die Publika­tion zielt wohl hauptsächlich auf einheimische „Revisionisten“, die heute im Sinne der deut­schen Rechten in den sozialen Medien ein geschöntes Hess-Bild in unserer Öffentlichkeit ver­breiten möchten. Befremdlich wirkt auf den heutigen Leser vor allem das idealisierende Mit­gefühl für einen an den Nazi-Verbrechen Hauptverantwortlichen in einer Rolle als „Prisoner of Peace“, eines Mannes also, der doch nur den Frieden bringen wollte, das Beweinen des tragischen „cruel fate of Rudolf Hess“ als Opfer der Geschichte.

Bei den beiden englischen Autoren scheint es sich um emotional engagierte historische Laien zu handeln, einen Farmer und einen Farmmanager. So wird im Text auf Fußnoten verzichtet. Die Archivhinweise machen ohne nähere Angaben der Bestände einen wenig wissenschaftli­chen Eindruck. Auch wird zur Thematik gehörende Literatur übergangen. Das „Rätsel“ um den Englandflug wird weiter vernebelt. Wegen der Verlagerung auf die schiefe „revisionisti­sche“ Optik mit der Verharmlosung des Nationalsozialismus ist es mir wichtig, vor diesen rechtsextremen Ideologien öffentlich deutlich zu warnen.

John Harris and Richard Wilbourn: Rudolf Hess. Truth At Last. The untold story of the Deputy Führer`s flight to Scotland in 1941. Uniform. London, 2019 ISBN 978-1-912690-52-7

Jörg Jatho, 16.5.2020

(Der Beitrag wurde von den beiden Gießener Tageszeitungen leider nicht veröffentlicht)